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Innovationen und E-Partizipationsprojekte 2020

Innovationen

Der Planungsausschuss hat beschlossen, im Jahr 2020 folgenden Innovationen zu unterstützen:

Automatisierte Mailverarbeitung durch KI (Kanton Aargau)

Die Sozialversicherung Aargau SVA erhält jährlich mehrere Hunderttausend E-Mails – zehntausende davon beinhalten Fragen zur Prämienverbilligung. Gerade bei einfachen Fragen ist mit langen Wartezeiten zu rechnen. Mit der Einführung des Chatbots «Maxi» konnte Abhilfe geschaffen werden und die Mail-Anfragen um rund 30 % reduziert werden.

Der Chatbot kann allgemeine Fragen ohne empfindlichen Dateninhalt beantworten. Alle weiteren E-Mails sollen künftig durch eine automatisierte und intelligente (dazulernende) Triage und Weiterverarbeitung laufen. Dazu müssen Anfragen mit persönlichen Daten durch den Chatbot korrekt triagiert und nach Art der Anfrage direkt einen Prozess auf der Fachapplikation anstossen.

Nach einem erfolgreichen Projektabschluss soll die Erweiterung auf andere Sozialversicherungen innerhalb der SVA Aargau geprüft werden und der Chatbot gegebenenfalls für andere Lösungsanbieter zur Verfügung stehen.

Mehr zum Chatbot «Maxi»:

«Maxi» – der clevere Chatbot der SVA Aargau
Chatbot «Maxi» berät erfolgreich zum Thema Prämienverbilligung

Studie Bürger-Unternehmen-Access-Architektur (Kanton St.Gallen)

Zurzeit können Bevölkerung und Unternehmen nicht mit einem einzigen Login auf Services unterschiedlicher Fachdomains zugreifen. Dies soll mit einem Identity and Access Management (IAM, Identitäts- und Zugriffsverwaltung) ermöglicht werden. IAM ist auf organisatorischer wie auch technischer Basis ein Zusammenspiel aus Rollen, Regeln und Abläufen.

In der zu erarbeitenden Studie wird der Zugriff auf Dienstleistungen mit IAM aus Sicht der Bevölkerung und Unternehmen beleuchtet (User zentrierter Ansatz). Dabei sind die beiden Elemente «Bürger Identity» und insbesondere der «Bürger Access» auf die Dienstleistungen wie z. B. Steuern, Strassenverkehr von zentraler Bedeutung. Die Studie liefert IAM spezifische Leitlinien als Basis für eine zukünftige Realisierung. Darin enthalten sind Aussagen zu Rollen, Prozessen, organisatorischen und technischen Inhalten. Diese sind für zukünftige online Bürger- und Unternehmensdienste von grosser Bedeutung. Die erarbeiteten Inhalte werden so weit wie möglich kantonsunabhängig erstellt, damit eine Skalierung der Bürger-Unternehmens-Access-Architektur schweizweit möglich ist.

Eine ökologische private Blockchain für digitales Vertrauen in der Schweiz (Kanton Jura)

Bürgerinnen und Bürger des Kantons Jura verfügen heute über einen Zugang zu einem «Environnement Client», über welchen personenbezogene Dokumente mit der Verwaltung ausgetauscht werden können. Gegenwärtig basiert dieses System auf dem Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit und Integrität der IT-Systeme des Staates. 

Im Rahmen der «Digital Confidence Vision» ist das erste Ziel dieses Projekts, innovative Lösungen vorzuschlagen, die es den Bürgern ermöglichen, die vollständige Souveränität über ihre Daten und ihre digitalen Interaktionen mit dem Staat zu haben. Ebenso wird der Staat jederzeit in der Lage sein, die Integrität der Daten, für die er verantwortlich ist oder die sich in seinem Gewahrsam befinden, nachzuweisen und der Bevölkerung die Möglichkeit geben, diese unabhängig vom Staat über mehrere Dienste zu prüfen.

Das zweite Ziel des Projekts ist, die Integrität und Herkunft der vom Staat ausgestellten Zertifikate zu sichern, auch wenn das Zertifikat von einem Bürger oder einer Bürgerin ausgedruckt wird.

Die Daten werden weder geteilt, noch veröffentlicht. Somit ist die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger durch diesen Ansatz vollständig geschützt. Die KSI-Blockchain (Keyless Signature Infrastructure) ist umweltfreundlich, da sie nicht auf «Proof of Work»-Konsens-Algorithmen basiert. Es gibt daher keinen erhöhten Stromverbrauch (im Gegensatz zu Bitcoin).

E-Partizipationsprojekte

Der Planungsausschuss hat beschlossen, im Jahr 2020 folgende E-Partizipationsprojekte zu unterstützen:

Genfer Plattform zur Bürgerbeteiligung (Kanton Genf)

Der Kanton Genf hat positive Erfahrungen mit dem Einbezug der Bevölkerung in politische Entscheidungsprozesse gemacht. Die Bürgerbeteiligung erfolgte durch Online-Umfragen und Workshops. Ermutigt durch die positive Resonanz hat der Kanton Genf entschieden, eine bewährte Plattform unter Berücksichtigung des Schutzes personenbezogener Daten auf die Bedürfnisse des Kantons Genf zu erweitern und damit partizipatorische Ansätze zu unterstützen. Diese Plattform soll allen Genfer Behörden (Kanton, Gemeinden, halbstaatliche Einrichtungen) angeboten werden. Das Projekt ist bereits angelaufen und wird im ersten Quartal 2020 enden.

Gesamtrevision der Ortsplanung Goldach (Gemeinde Goldach)

Im Kanton St.Gallen ist die Mitwirkung der Bevölkerung beim Erlass und der Änderung von Richt- und Nutzungsplänen durch das neue Planungs- und Baugesetz (PBG) gesetzlich vorgeschrieben. Gemäss PBG haben die Behörden für eine geeignete Mitwirkung der Bevölkerung zu sorgen. Viele St.Galler Gemeinden werden die Ortsplanungsrevision in den nächsten Jahren angehen. In Goldach soll dem Gesetz durch ein E-Partizipationsportal entsprochen werden. Über dieses kann sich die Bevölkerung von Goldach über unterschiedliche Geräte zu den Ortsplänen der Behörden äussern.

Webseite E-Partizipation Goldach

Digitale Community-Plattform zur Förderung der Partizipation und Interaktion im Quartier sowie mit der Stadtverwaltung (Stadt Winterthur)

Um einen weiteren Schritt in Richtung Smart City zu gehen, entwickelt und lanciert die Stadt Winterthur auf Quartiersebene eine digitale Community-Plattform. Mit dieser soll die Partizipation und Interaktion im Quartier sowie die bidirektionale Kommunikation zwischen dem Quartier und der Stadt auf digitaler Ebene erweitert und dadurch zusätzlich gefördert werden. Das Tool bietet verschiedene Funktionalitäten, mittels derer sich die Einwohnerinnen und Einwohner auf Quartiersebene zu verschiedenen Themen und Bedürfnissen einbringen und austauschen sowie Hilfestellung finden und anbieten können. Beispielsweise fördert es den Austausch und die Partizipation bezüglich der Gestaltung des Quartiers, indem die Quartierbevölkerung über das Tool auf nutzerfreundliche Art Ideen für die Gestaltung von Parkanlagen, Freizeitangeboten und Anlässen einbringen und diskutieren kann und seitens Stadt Unterstützung bei der Umsetzung erhält. Im Rahmen dieses Projekts wird ein Umsetzungskonzept für die Gestaltung der Struktur und der Prozessabfolge einer digitalen, skalierbaren Quartiersplattform erarbeitet. Mit der finanziellen Förderung soll die Evaluation und Optimierung der Plattform unterstützt werden.

«Quartieridee» - Partizipativer Ideen- und Budgetierungsprozess im Zürcher Quartier Wipkingen (Stadt Zürich)

In einem Pilotprojekt wird 2020 im Zürcher Quartier Wipkingen ein erstes partizipatives Budget getestet. Dabei kann die Bevölkerung Ideen für ihr Quartier eingeben und im Anschluss partizipativ ein Quartierbudget auf die beliebtesten Ideen verteilen. Der gesamte Prozess läuft über eine Online-Plattform, wird aber durch Offline-Formate begleitet. Durch den Unterstützungsbeitrag von E-Government Schweiz kann die digitale Plattform konzeptuell und inhaltlich auf die Voraussetzungen einer Schweizer Gemeinde angepasst und offline-Komponenten wie der Einbezug von anderen Akteuren sowie weitere Kommunikationsmassnahmen unterstützt werden.

Interkommunales Geo-Portal zur Nutzung des öffentlichen Raums (Stadt Yverdon-les-Bains)

Die Stadt Yverdon-les-Bains ist verantwortlich für den Betrieb und die Entwicklung des regionalen Geo-Portals (mapnv.ch) des Bezirks Nord Vaudois. Sie beabsichtigt, ein Open-Source- und Geoverwaltungsprojekt zu lancieren, um allen Akteuren der Region (Bürger, Ingenieurbüros, Unternehmen usw.) die Möglichkeit zu geben, ihre Anträge für die Nutzung des öffentlichen Raums über ein einziges interkommunales Portal einzureichen. Die Anträge können von allen Behörden, die Mitglieder der Plattform sind, bearbeitet werden. Ob es sich z. B. um Baugenehmigungen unter kommunaler Gerichtsbarkeit, um Ausgrabungsgenehmigungen oder um Kultur- oder Sportveranstaltungen handelt – diese Lösung bietet den Verwaltungen einen räumlichen und zeitlichen Überblick über die geplante Nutzung des öffentlichen Raums.