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Big Data

Personendaten sind das zentrale Schutzobjekt des Datenschutzrechts. Andere Daten als Personendaten sind gemäss Datenschutzgesetz nicht geschützt.

Art. 4 ff. Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1)

Personendaten sind Angaben, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen. Wenn die Daten nicht direkt Angaben über die Identität einer Person enthalten, sondern z.B. anonymisiert sind, ist das Datenschutzrecht somit nur anwendbar, wenn die Identität der betroffenen Person bestimmbar ist.

Art. 3 Bst. a DSG

Die Bestimmbarkeit der Identität einer Person ist rascher gegeben, als gemeinhin angenommen wird. So hat eine vielzitierte Studie in den USA ergeben, dass zwischen 61 und 87 Prozent der Wohnpopulation der USA allein aufgrund der drei anonymen Merkmale Postleitzahl, Geburtsdatum und Geschlecht bestimmt werden können. Je grösser die Menge der vorhandenen Daten, um so einfacher ist es, einen Personenbezug herzustellen.

Im Zuge der heute bestehenden Digitalisierung und "Datafizierung" des Geschäfts- und Alltagslebens und der Verwaltungstätigkeit besteht eine grosse, ständig steigende Menge an elektronischen Daten. Diese sind mit den bestehenden technischen Möglichkeiten immer besser verarbeitbar, um daraus Erkenntisse zu gewinnen. Diese Verarbeitung grosser Datenmengen wird unter dem Schlagwort "Big Data" adressiert.

Vor dem Hintergrund der grossen Datenmengen, die mit "Big Data" Technologien verarbeitet werden (können), besteht heute praktisch Einigkeit darüber, dass ein Personenbezug auch bei "anonymisierten" Daten relativ einfach hergestellt werden kann.

Insbesondere wird zunehmend auch in der Rechtspraxis anerkannt, was Praktiker im Bereich elektronischer Anwendungen bereits erkannt haben, nämlich dass Nützlichkeit und Privatsphäre/Datenschutz einander diametral entgegenwirken. Datensammlungen mit nützlichen Informationen und Anwendungen mit einer erhöhten Benutzerfreundlichkeit sind unmöglich perfekt anonymisierbar. Und je nützlicher – weil gehaltvoller – die Informationen, welche z.B. zu Forschungszwecken weitergegeben werden, um so einfacher ist die Bestimmbarkeit entsprechender Personen trotz einer Anonymisierung.

Die Konsequenz aus dieser Bestimmbarkeit ist wie bereits dargelegt, dass – trotz Anonymisierung – die datenschutzrechtlichen Vorgaben eingehalten werden müssen. Dies gilt es inbesondere zu beachten, wenn von Seiten des Gemeinwesens anonymisierte Daten öffentlich zugänglich gemacht werden (Stichwort "Open Government Data").

Zusammenfassend stellt "Big Data" das Datenschutzrecht vor neue Herausforderungen, welche im vorliegenden kurzen Überblick nur punktuell und grobschematisch angesprochen werden können.

12. Tagung für Informatik und Recht 2014 (Big Data)