Direkt zum Inhalt

E-Governnment-Benchmark der EU 2021

Der am 12. November 2021 publizierte E-Government-Benchmark-Bericht der Europäischen Kommission untersucht Behördenleistungen in verschiedenen Lebensbereichen. Die Schweiz verzeichnet zwar eine Steigerung der Gesamtleistung, liegt aber noch auf tiefem Rang.

Die Europäische Kommission untersucht in der Studie E-Government Benchmark den Fortschritt in der Digitalisierung der Verwaltung. Die Grundlage für den Vergleich sind die aus der Digitalen Agenda der EU abgeleiteten Indikatoren: «Nutzerzentriertheit», «Transparenz», «grenzüberschreitende Mobilität» und «Basisdienste» im Bereich E-Government. Diese werden jährlich anhand von einzelnen Lebenslagen, die eine Interaktion mit öffentlichen Stellen notwendig machen, für Bevölkerung und Unternehmen untersucht. Im Jahr 2020 wurden methodische Änderungen eingeleitet und neue, respektive überarbeitete Indikatoren hinzugefügt (z. B. Transparenz der Leistungsgestaltung). Die Studie umfasst nebst der Schweiz alle 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Albanien, Island, Montenegro, Nordmazedonien, Norwegen, Serbien, die Türkei und das Vereinigte Königreich.

Trotz der Steigerung der Gesamtleistung bleibt die Schweiz auf tiefem Rang

Mit einer Gesamtleistung von 52.3 % (EU 67.9 %) befindet sich die Schweiz auf dem tiefen Rang 32 von 36. Vor zwei Jahren lag ihr Wert bei 49.9 % (EU 62 %). Die Spitzenreiter im E‑Government sind Malta (96.3 %), Estland (91. 6 %) und Dänemark (85.4 %). In diesen Ländern arbeiten die Zentralregierungen bei der Umsetzung von elektronischen Behördendiensten zusammen mit den Regionen und den Gemeinden. Aber auch im Vergleich zu den ebenfalls föderal aufgebauten Nachbarländern, wie Österreich (84.1 %) und Deutschland (62.1 %), schneidet die Schweiz schlecht ab.

Handlungsbedarf im Bereich der Basisdienste und Transparenz der E-Services

Wenn es um den Einsatz von Basisdiensten geht, ist die Mehrheit der europäischen Länder deutlich fortgeschrittener, als die Schweiz (CH 34 %; EU 65.2 %). In der Schweiz ist noch keine staatlich anerkannte E-ID etabliert, die zur digitalen Identifikation bei der Abwicklung von E-Services eingesetzt werden kann. Vor-ausgefüllte Formulare mit Daten aus Quellen, wie z. B. Basisregister (authentische Quellen), existieren nur in 12 % (+4 %) der untersuchten E‑Services (EU: 61.5 %). Durch automatisch vor-ausgefüllte Formulare mit Daten, welche die Behörden aus bestimmten Quellen bereits besitzen, würde der Aufwand für den Nutzenden (keine Mehrfacherfassungen, «Once-Only»-Prinzip) und die Verwaltung (Steigerung der Datenqualität) deutlich reduziert werden.

Im Bereich der Transparenz von E-Services entwickelt sich die Schweiz kontinuierlich weiter (+3.5 %) und nähert sich dem Benchmark-Durchschnitt (CH 43.8 %; EU 64.3 %). Bei der Nachvollziehbarkeit der Leistungserbringung (Ausfüllen der Formulare bis zum Erhalt der Leistung) liegt die Schweiz mit rund 22 % klar hinter dem EU-Durchschnitt (62 %). Im Bericht wird sehr viel Gewicht auf die Informationen bzgl. der Fristen bei der Leistungserbringung gelegt. Hier schneidet die Schweiz schlecht ab. Eine Entwicklung nach vorne (ca. +10 %) hat die Schweiz bei der Transparenz in Bezug auf die verwendeten Personendaten durch die Behörden gemacht. Bei ca. 42 % der untersuchten E‑Services können Nutzende ihre persönlichen Daten selber verwalten.

Der Bericht zeigt, dass sich die Schweizer Behörden, insbesondere bei bürgerbezogenen Online-Diensten (Heirat, Geburt, Todesfall, Arbeit, Studium usw.), verbessern müssen. Hier fehlen grundlegende Basisdienste, wie zum Beispiel vor-ausgefüllte Formulare, oder der Prozess der Leistungsabwicklung ist nicht transparent. Bei unternehmensbezogenen Diensten und Informationen, wie z. B. einer Geschäftsgründung, sind die Schweizer Behörden fortschrittlicher.

Staatliche Webseiten sind nutzerfreundlich

Im Bereich Nutzerzentriertheit kann die Schweiz mit dem EU-Durchschnitt mithalten. Etwa 80 % (EU: 87.2 %) der untersuchten Behördendienste und Informationen sind auf Webseiten der Behörden online verfügbar. Fast neun von zehn der untersuchten Webseiten bieten ausserdem Online-Support, Hilfsfunktionen und Feedback-Mechanismen an und sind mobile-tauglich.

Herausgeberin: Europäische Kommission

E-Government Benchmark-Bericht der EU 2021